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Warum bezahlter Menstruationsurlaub so viel mehr als nur ein freier Tag bedeutet

Warum bezahlter Menstruationsurlaub so viel mehr als nur ein freier Tag bedeutet

Unser kleines Team bei fembites besteht im Moment (noch) aus ausschließlich Frauen. Da wir uns mit dem medizinisch weiblichen Körper tagtäglich beschäftigen, reden wir auch ganz offen über die Themen Endometriose, Adonomyose, Periodenschmerzen, Stimmungsschwankungen, PMS, Antriebslosigkeit, und wie diese unseren eigenen Arbeitsalltag beeinflussen - wir werfen diese Symptome und Krankheiten bewusst in einen Topf, da sie eines gemeinsam haben: Viele kennen sie nicht!

In vergangenen Jobs, wurde nie ein Wort darüber verloren. Die Norm bestand darin, mit einem Tampon im Ärmel zur Toilette zu gehen und sich bei Periodenkrämpfen zur Arbeit zu schleppen. Warum ist das so?

Wir bei fembites gehen der Frage auf den Grund, wie sich die Periode (und die damit verbundenen Beschwerden) auf den Arbeitsplatz auswirkt und wie wir damit als Unternehmen in Zukunft umgehen wollen.

Warum haben wir noch keinen bezahlten Menstruationsurlaub? Und sollten wir diesen überhaupt so benennen?

Wie bei den meisten radikalen Ideen ist auch das Konzept des Menstruationsurlaubs täuschend einfach. Lähmende Krämpfe, die es unmöglich machen, das Bett zu verlassen? Nehme dir einen bezahlten Tag frei. Hast du an einem Tag mit starker Periode Angst, dass du durch deine beste Business-Casual-Hose blutest? Arbeite von zu Hause aus. Du bist angespannt durch PMS-bedingte Ängste? Nehme dir mitten am Tag eine Stunde Zeit zum Meditieren. 

Und dennoch: Die Zahl der Unternehmen in Deutschland, die Menstruationsurlaub anbieten, ist so winzig, dass es keine guten Statistiken darüber gibt, und wenn sich ein Unternehmen dazu entschließt, ihn anzubieten - wie zum Beispiel "Your Super" im letzten Jahr - ist das ein Grund für eine Pressemitteilung. Die Wahrscheinlichkeit, dass du den Tampon, den du in deinem Ärmel versteckt hast, genau in dem Moment fallen lässt, in dem Georg vom Sales Team vorbeikommt, ist (grob geschätzt) eine Million Mal größer als die Wahrscheinlichkeit, dass du für ein Unternehmen arbeitest, in dessen Personalhandbuch ausdrücklich festgelegt ist, dass Menstruationsbeschwerden ein akzeptabler Grund für einen Krankheitstag sind.

Von klein auf erleben die meisten Menschen ein erlerntes Schamgefühl, wenn es um ihre Periode geht und das Tabu besteht immer noch, obwohl in unserer Zeit die rote Farbe die seltsame blaue Flüssigkeit in der Tamponwerbung ersetzt. Das hat sich leider auch auf den Arbeitsplatz ausgewirkt, wo die Menschen im Allgemeinen nicht ermutigt werden, ihre Periode zuzugeben - vor allem nicht gegenüber Menschen, die nicht menstruieren. Und wollen wir das überhaupt?

1,8 Milliarden Menschen auf der Welt menstruieren - Mädchen, Frauen, Transmänner, geschlechtslose und nichtbinäre Menschen. Das ist ein riesiger Bevölkerungsanteil, welcher ein ähnliches Phänomen erlebt, und trotzdem werden wir dafür "anders" behandelt. 

Wir bei fembites haben gelernt: Wenn ich über meine Periode spreche und darüber, wie ich mich dabei fühle oder wie sie mich beeinflusst, bin ich meinem Team gegenüber viel offener, was meine Gefühle im Allgemeinen angeht. Es ist wie ein Tor zu besseren Gesprächen. Wir sprechen nicht nur über die Periode, sondern über alle Probleme, mit denen wir konfrontiert sind und mit denen wir zu tun haben. Ob lächerlich oder nicht, die Periode - in ihrer ganzen Menschlichkeit und Verletzlichkeit, die von einer Schicht Frauenfeindlichkeit überdeckt wird - ist ein heikles Thema am Arbeitsplatz - und perverserweise könnte dies einer der Gründe sein, warum die Einführung von Menstruationsurlaub als Unternehmenspolitik ein wichtiger Schritt zur Schaffung eines gerechteren, integrativen Arbeitsplatzes für alle sein könnte.

Egal, ob man das ganze als "Urlaub" bezeichnet oder nicht. Im Allgemeinen gibt es eine große Lücke im Verständnis der Arbeitgeber für die biologischen Bedürfnisse ihrer Mitarbeitenden. Periodenurlaub ist ein Teil davon, aber was ist mit all den anderen hormonellen Schwankungen, die Menschen durchmachen, wie die Wechseljahre oder das Stillen nach der Geburt? Allein die Anerkennung der Tatsache, dass Mitarbeitende einen Körper haben, der sich auf ihre Arbeit auswirkt, hat eine unglaubliche Wirkung. Etwas so Einfaches wie der Hinweis im Mitarbeitendenhandbuch, dass 'menstruationsbedingte Beschwerden ein akzeptabler Grund für eine Krankschreibung sind', signalisiert doch, dass ein Unternehmen versteht, dass es körperliche Veränderungen gibt, die mit der Menstruation einhergehen.

Außerdem: Die Periode ist kein Nischenthema. Wenn wir mehr Frauen in Führungspositionen sehen wollen, muss das Thema auf den Tisch. Ob das jetzt kostenlose und leicht zugängliche Menstruationsprodukte auf den Toiletten sind oder der besagte "Menstruationsurlaub" - die Periode sollte als Normalität gelten.

Privatsphäre & Schulungen zu dem Thema sind wichtig!

Es stellt sich die Frage, ob dieses Thema mit entsprechenden "Schulungen" einhergehen sollte, wie z. B. darüber, wie man menstruierende Mitarbeitende, die diese Angebote nutzen wollen, respektiert, und wie man sie nicht unbewusst dafür "bestraft", dass sie diesen Urlaub nehmen, indem man ihnen weniger Möglichkeiten gibt, und wie man "Diskriminierung aufgrund der Menstruation" in die Antidiskriminierungsrichtlinien des Unternehmens aufnimmt.

Auch der Schutz der Privatsphäre ist wichtig. Wenn man diesen Urlaub anbietet, muss dieser dann im Kalender vermerkt werden? Fakt ist: es handelt sich um wohlwollenden Sexismus für Frauen, aber auch für geschlechtslose und nichtbinäre Menschen oder Transmänner. Man muss also auch an Risiken denken, die diese Offenlegung für jemanden haben könnte, der sich (noch) nicht wohl dabei fühlt, diesen Aspekt der eigenen Identität am Arbeitsplatz zu teilen.

Das sind Dinge, die man sich in diesem Zusammenhang überlegen sollte, die aber nicht als Grund dafür gelten sollten, die Idee eines Menstruationsurlaubs - oder wie auch immer man das Kind nennen mag - über Bord zu werfen.

Wir stellen uns eine Welt vor, in der das Angebot von Menstruationsurlaub für Unternehmen eine Selbstverständlichkeit ist, einfach weil es wirtschaftlich sinnvoll ist. Happy (healthy) employees, happy numbers!

Zu guter Letzt: Wie gehen wir mit anderen stigmatisierten Gesundheitszuständen um?

Wir finden, dass sich jedes Unternehmen, ob groß oder klein die Frage stellen sollte, wie man einen Arbeitsplatz schaffen kann, der eine Vielfalt von Erfahrungen in den Vordergrund stellt. Wie gehen wir mit anderen stigmatisierten Gesundheitszuständen um, wie dem Reizdarmsyndrom, bestimmten psychischen Erkrankungen und Erfahrungen mit Krebserkrankungen? Je mehr Menschen sich unterstützt fühlen und je mehr sie das Gefühl haben, sie selbst sein zu können, desto besser wird die Qualität ihrer Arbeit sein, oder?

Du hast Fragen oder Anmerkungen zu diesem Artikel? Schreibe uns an hello@fembites.com 

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