Vielleicht ist dir der Begriff PCOS bereits begegnet. Seit Mai 2026 trägt das Polyzystische Ovarialsyndrom einen neuen Namen: Polyendocrine Metabolic Ovarian Syndrome, kurz PMOS.
Die neue Bezeichnung soll besser widerspiegeln, was sich hinter der Erkrankung verbirgt. Denn PMOS betrifft nicht nur die Eierstöcke, sondern kann hormonelle, metabolische und reproduktive Prozesse sowie Haut, Haare und das emotionale Wohlbefinden beeinflussen.
Während der Übergangsphase werden dir wahrscheinlich beide Begriffe begegnen. Deshalb verwenden wir in diesem Artikel zunächst PMOS (bisher PCOS).
Warum wurde PCOS in PMOS umbenannt?
Der bisherige Name „Polyzystisches Ovarialsyndrom“ führte häufig zu der Annahme, dass Zysten an den Eierstöcken das zentrale Merkmal der Erkrankung seien.
Das ist jedoch irreführend: Nicht jede betroffene Person weist entsprechende Veränderungen an den Eierstöcken auf. Umgekehrt bedeutet ein auffälliger Ultraschall allein noch nicht, dass PMOS vorliegt.
Die neue Bezeichnung macht die verschiedenen Bereiche der Erkrankung sichtbarer:
- Polyendocrine verweist auf das Zusammenspiel verschiedener hormoneller Prozesse.
- Metabolic rückt die mögliche Beteiligung des Stoffwechsels stärker in den Fokus.
- Ovarian Syndrome berücksichtigt weiterhin die möglichen Auswirkungen auf Eierstöcke, Eisprung und Zyklus.
Die Umbenennung entstand in einem 14-jährigen internationalen Prozess, an dem Fachleute, Betroffene sowie mehr als 50 Patienten- und Fachorganisationen beteiligt waren. Die neue Bezeichnung soll bis zur Aktualisierung der internationalen Leitlinie im Jahr 2028 schrittweise etabliert werden.
Was ist PMOS?
PMOS ist eine komplexe hormonelle und metabolische Erkrankung. Sie kann den Zyklus und den Eisprung beeinflussen und mit erhöhten Androgenwerten einhergehen.
Androgene werden häufig als „männliche Hormone“ bezeichnet, kommen aber in jedem Körper vor. Sind ihre Werte erhöht oder wirkt der Körper besonders empfindlich darauf, kann sich das unter anderem an Haut und Haaren bemerkbar machen.
Auch der Stoffwechsel kann beteiligt sein. Bei einem Teil der Betroffenen besteht beispielsweise eine Insulinresistenz. Das bedeutet, dass die Körperzellen weniger empfindlich auf das Hormon Insulin reagieren. Das trifft jedoch nicht auf jede Person mit PMOS zu.
Wie genau sich die Erkrankung zeigt, ist individuell und kann sich im Laufe des Lebens verändern.
Welche Anzeichen können auf PMOS hindeuten?
Mögliche Anzeichen sind:
- unregelmäßige, seltene oder ausbleibende Perioden
- ein unregelmäßiger oder ausbleibender Eisprung
- Akne oder ölige Haut
- stärkerer Haarwuchs im Gesicht oder am Körper
- dünner werdendes Haar oder Haarausfall
- Schwierigkeiten, schwanger zu werden
- Veränderungen des Gewichts
- psychische Belastungen oder ein negatives Körperbild
Nicht alle Betroffenen erleben dieselben Beschwerden. Manche bemerken vor allem Veränderungen ihres Zyklus, andere suchen aufgrund von Akne, Haarveränderungen oder eines unerfüllten Kinderwunsches ärztlichen Rat.
Wichtig: Ein einzelnes Symptom bedeutet nicht automatisch, dass PMOS vorliegt. Hinter Zyklus-, Haut- oder Haarveränderungen können auch andere Ursachen stecken.
Wie wird PMOS diagnostiziert?
Eine verlässliche Diagnose kann nur durch medizinisches Fachpersonal gestellt werden. Dabei werden die Beschwerden, die Zyklushistorie und gegebenenfalls Blutwerte und Ultraschallbefunde berücksichtigt. Außerdem müssen andere mögliche Ursachen ausgeschlossen werden.
Nach den bislang verwendeten Diagnosekriterien müssen bei Erwachsenen in der Regel mindestens zwei der folgenden drei Merkmale vorliegen:
- unregelmäßige oder ausbleibende Eisprünge beziehungsweise Perioden
- klinische oder im Blut erkennbare Anzeichen erhöhter Androgenwerte
- ein für die Erkrankung typisches Erscheinungsbild der Eierstöcke
Das bedeutet: Veränderungen an den Eierstöcken sind für eine Diagnose nicht zwingend erforderlich. Genau das ist einer der Gründe für die neue Bezeichnung.
Für Jugendliche gelten besondere diagnostische Anforderungen, da unregelmäßige Zyklen in den ersten Jahren nach der ersten Periode auch Teil der normalen Entwicklung sein können.
PMOS betrifft mehr als den Zyklus
PMOS wird häufig erst dann thematisiert, wenn eine Periode lange ausbleibt oder ein Kinderwunsch unerfüllt bleibt. Die Erkrankung kann jedoch verschiedene körperliche und emotionale Bereiche beeinflussen.
Neben Zyklus, Haut und Haaren können auch Stoffwechsel, Schlaf, langfristige Gesundheit und psychisches Wohlbefinden eine Rolle spielen. Deshalb sollte PMOS nicht ausschließlich als gynäkologisches oder kosmetisches Thema betrachtet werden.
Viele Betroffene erleben einen langen Weg bis zur Diagnose. Beschwerden werden teilweise einzeln behandelt, ohne ihren möglichen Zusammenhang zu erkennen. Die neue Bezeichnung soll dazu beitragen, diesen umfassenderen Blick zu fördern.
Was kannst du bei einem Verdacht tun?
Wenn du Veränderungen an deinem Zyklus, deiner Haut oder deinen Haaren bemerkst, darfst du ihnen Aufmerksamkeit schenken. Folgende Schritte können dir helfen:
- Notiere, wann deine Periode einsetzt und wie lange dein Zyklus dauert.
- Dokumentiere Beschwerden und Veränderungen über einen längeren Zeitraum.
- Schreibe Fragen vor einem ärztlichen Termin auf.
- Sprich offen über alle Symptome – auch wenn sie dir zunächst nicht zusammenhängend erscheinen.
- Hole dir eine zweite ärztliche Meinung, wenn du dich nicht ernst genommen fühlst.
Deine Beobachtungen ersetzen keine medizinische Untersuchung, können beim Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt aber eine wertvolle Grundlage bilden.
Kann PMOS behandelt werden?
PMOS ist eine langfristige Erkrankung, deren Begleitung individuell auf die Beschwerden, Bedürfnisse und Lebensphase abgestimmt wird.
Je nach Situation können Veränderungen des Lebensstils, Medikamente, hormonelle Behandlungen oder eine gezielte Kinderwunschbehandlung infrage kommen. Dabei gibt es keine Lösung, die für alle Betroffenen gleichermaßen passt.
Welche Behandlung sinnvoll ist, sollte immer gemeinsam mit qualifiziertem medizinischem Fachpersonal entschieden werden.
Mehr Wissen, mehr Verständnis
Die Umbenennung von PCOS zu PMOS ist mehr als ein neuer Begriff. Sie soll deutlich machen, dass hinter der Erkrankung ein komplexes Zusammenspiel verschiedener körperlicher Prozesse steht – und nicht einfach „ein Problem mit Zysten“.
Mehr Wissen kann dabei helfen, mögliche Anzeichen früher einzuordnen, Vorurteile abzubauen und Betroffenen zu zeigen: Du bist damit nicht allein.
Wenn dir Veränderungen an deinem Körper auffallen oder du vermutest, von PMOS betroffen zu sein, wende dich bitte an eine gynäkologische oder endokrinologische Fachperson.