Phytoöstrogene - Eine natürliche Alternative zu BPA?

Phytoöstrogene - Eine natürliche Alternative zu BPA?

Bisphenol-A (BPA) ist eine chemische Verbindung, die häufig in Kunststoffprodukten wie Wasserflaschen, Konservendosen und Kassenbons zu finden ist. In Deutschland, wie auch weltweit, ist BPA wegen seiner Eigenschaft als endokriner Disruptor, der hormonelle Prozesse stören kann, umstritten.

Eine interessante Alternative zu BPA sind Phytoöstrogene. Diese pflanzlichen Verbindungen, die in Soja, Leinsamen und einigen Hülsenfrüchten vorkommen, ähneln in ihrer Struktur den menschlichen Östrogenen. Sie werden oft in Nahrungsergänzungsmitteln und als natürliche Option in der Hormonersatztherapie eingesetzt.

Eine Studie von Sutrisno, veröffentlicht im April 2022, untersucht Phytoöstrogene – pflanzliche Chemikalien, die in ihrer Struktur BPA ähneln. Diese Studie bietet interessante Einblicke in die Vor- und Nachteile von Phytoöstrogenen, die oft als natürliche Alternative zu Hormonersatztherapien beworben werden. Die Forschung zeigt, dass Phytoöstrogene sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben können, was für die Diskussion über BPA und Menopause relevant ist.

Wir haben uns wie immer für euch nach den aktuellsten Studien auf den Weg gemacht, um euch kurz und knackig die aktuellsten Ergebnisse zu erklären und euch zu zeigen, woran derzeit geforscht wird. 

 

In diesem Blogpost erfährst du:

1. Was sind Phytoöstrogene?
2. Vorteile von Phytoöstrogenen
3. Nachteile von Phytoöstrogenen
4. Verbindung zwischen BPA und Phytoöstrogenen
5. Fazit

 

Was sind Phytoöstrogene?

Phytoöstrogene sind eine Gruppe von natürlich vorkommenden pflanzlichen Verbindungen, die eine ähnliche Struktur und Funktion wie das menschliche Hormon Östrogen aufweisen. Sie gehören zu einer breiteren Kategorie von Verbindungen, die als "Phytochemikalien" bekannt sind, und sind in einer Vielzahl von Pflanzen und pflanzlichen Lebensmitteln zu finden. Die wichtigsten Klassen von Phytoöstrogenen umfassen:

  1. Isoflavone
    Diese sind vor allem in Sojabohnen und Sojaprodukten, wie Tofu und Tempeh, sowie in Kichererbsen und anderen Hülsenfrüchten zu finden. Beispiele für Isoflavone sind Genistein und Daidzein.

  2. Lignane
    Diese kommen in hohen Konzentrationen in Leinsamen, aber auch in anderen Samen, Getreide und Gemüse vor. Lignane werden im Darm durch bakterielle Fermentation in enterolactone und enterodiol umgewandelt, die östrogenähnliche Aktivitäten aufweisen.

  3. Coumestane
    Eine weniger verbreitete Gruppe, die in bestimmten Hülsenfrüchten, einschließlich Klee und Alfalfa, vorkommt.

Phytoöstrogene können an Östrogenrezeptoren im Körper binden und entweder schwache östrogene oder antiöstrogene Wirkungen ausüben. Aufgrund dieser Eigenschaften werden sie oft in der Forschung im Zusammenhang mit verschiedenen Gesundheitszuständen untersucht, darunter Menopause-Symptome, Osteoporose, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bestimmte Krebsarten.

 

Vorteile von Phytoöstrogenen

Es gibt einige Vorteile von Phytoöstrogenen, wie beispielsweise (1,2,5):

  1. Linderung von Menopausensymptomen
    Phytoöstrogene können Symptome der Menopause wie Hitzewallungen, Nachtschweiß und Stimmungsschwankungen mildern. Ihre östrogenähnliche Wirkung hilft, den Rückgang der natürlichen Östrogenproduktion im Körper auszugleichen.

  2. Prävention von Osteoporose
    Sie können zur Erhaltung der Knochendichte beitragen und somit das Risiko für Osteoporose, eine häufige Erkrankung bei postmenopausalen Frauen, verringern.

  3. Herz-Kreislauf-Gesundheit
    Einige Studien deuten darauf hin, dass Phytoöstrogene zur Senkung des Cholesterinspiegels und zur Verbesserung der allgemeinen Herz-Kreislauf-Gesundheit beitragen können.

  4. Gesundheit des Nervensystems
    Phytoöstrogene könnten neuroprotektive Eigenschaften besitzen und somit zur Gesundheit des Nervensystems beitragen, insbesondere im Hinblick auf neurodegenerative Erkrankungen.

 

Nachteile von Phytoöstrogenen

Obwohl sie verschiedene gesundheitliche Vorteile bieten, haben Phytoöstrogene auch einige potenzielle Nachteile oder Risiken, die berücksichtigt werden sollten (1):

  1. Hormonelle Störungen
    Da Phytoöstrogene östrogenähnliche Wirkungen haben, können sie das empfindliche hormonelle Gleichgewicht im Körper stören, insbesondere bei Menschen mit hormonempfindlichen Erkrankungen wie PCOS.

  2. Schilddrüsenfunktion
    Einige Studien deuten darauf hin, dass Phytoöstrogene die Funktion der Schilddrüse beeinträchtigen können, insbesondere bei Personen, die bereits an Schilddrüsenerkrankungen leiden.

  3. Wechselwirkungen mit Medikamenten
    Phytoöstrogene können mit bestimmten Medikamenten interagieren, insbesondere mit solchen, die zur Behandlung von Hormonstörungen eingesetzt werden. Dies kann die Wirksamkeit dieser Medikamente beeinträchtigen.

  4. Unklare Langzeitwirkungen
    Die langfristigen Auswirkungen einer hohen Aufnahme von Phytoöstrogenen sind noch nicht vollständig verstanden. Es gibt Bedenken hinsichtlich potenzieller langfristiger Gesundheitsrisiken.

  5. Schwangerschaft und Stillzeit
    Der Verzehr von hohen Mengen an Phytoöstrogenen während der Schwangerschaft und Stillzeit könnte potenziell Risiken für das Baby darstellen, obwohl die genauen Auswirkungen noch nicht vollständig erforscht sind.

  6. Allergische Reaktionen
    In seltenen Fällen können Menschen allergische Reaktionen auf phytoöstrogenhaltige Lebensmittel entwickeln.

Es ist wichtig zu beachten, dass die Wirkung von Phytoöstrogenen von Person zu Person variieren kann und dass sie nicht für jeden geeignet sind. Eine Beratung durch einen Gesundheitsexperten ist empfehlenswert, bevor man Phytoöstrogene als Teil der Ernährung oder Therapie in Betracht zieht.

 

Verbindung zwischen BPA und Phytoöstrogenen

Bisphenol A, kurz: BPA, ist eine chemische Verbindung, die häufig in der Herstellung von Polycarbonat-Kunststoffen und Epoxidharzen verwendet wird. Diese Kunststoffe und Harze finden sich in einer Vielzahl von Alltagsprodukten, was BPA zu einer weit verbreiteten Chemikalie in unserem Umfeld macht. Zu den häufigsten Anwendungen von BPA-haltigen Materialien gehören:

  1. Wasser- und Babyflaschen
    Früher wurde BPA häufig in der Herstellung von harten, klaren Kunststoffflaschen verwendet.

  2. Konservendosen
    Die Innenbeschichtungen von Konservendosen enthalten oft BPA-haltige Epoxidharze, die dazu dienen, das Metall vor Korrosion und die Lebensmittel vor Metallgeschmack zu schützen.

  3. Thermopapier
    BPA wird in einigen Arten von Thermopapier verwendet, einschließlich Kassenbons und Flugtickets.

  4. Medizinische Geräte
    Einige medizinische Geräte und Zahnfüllungen können ebenfalls BPA enthalten.

BPA ist bekannt dafür, dass es ähnliche Wirkungen wie das Hormon Östrogen im Körper haben kann, was es zu einem sogenannten endokrinen Disruptor macht. Diese Eigenschaft hat Bedenken hinsichtlich seiner Sicherheit und möglicher Gesundheitsrisiken, insbesondere in Bezug auf die Auswirkungen auf das Hormonsystem, die reproduktive Gesundheit, die Gehirnentwicklung und das Risiko bestimmter Krebsarten, geweckt.

Aufgrund dieser Bedenken haben viele Länder, darunter auch Mitgliedstaaten der Europäischen Union, die Verwendung von BPA in bestimmten Produkten, insbesondere in Babyflaschen und anderen Produkten für Kinder, eingeschränkt oder verboten. Es gibt auch einen zunehmenden Trend zur Entwicklung und Verwendung von BPA-freien Alternativen in vielen Produkten, was absolut schön zu sehen ist. ABER: Es kommt trotzdem noch vor.

Phytoöstrogene werden nun immer öfter als natürliche Alternativen zu synthetischen Chemikalien wie BPA betrachtet, insbesondere in Produkten und Therapien, die auf hormonelle Wirkungen abzielen (1), denn:

  1. Ähnliche Wirkungsmechanismen
    Sowohl BPA als auch Phytoöstrogene sind bekannt dafür, dass sie ähnliche Wirkungen wie Östrogen im Körper haben können, da sie an Östrogenrezeptoren binden können. Dies macht sie zu sogenannten endokrinen Disruptoren. 

  2. Gesundheitliche Auswirkungen
    Beide Substanzen sind von Interesse für die öffentliche Gesundheit. Während BPA in Verbindung mit verschiedenen Gesundheitsrisiken gebracht wird, werden Phytoöstrogene oft für ihre potenziellen gesundheitlichen Vorteile untersucht. 

  3. Umweltbelastung und Exposition
    BPA ist in vielen Alltagsprodukten vorhanden und kann in die Umwelt gelangen, was zu einer weit verbreiteten Exposition führt. Phytoöstrogene kommen natürlich in vielen Lebensmitteln vor.

 

Fazit

 

Bitte beachtet, dass die Wirkung von Phytoöstrogenen auf den menschlichen Körper komplex ist und von verschiedenen Faktoren, einschließlich individueller Unterschiede in der Stoffwechselverarbeitung, abhängt. Ihre Rolle in der Ernährung und Gesundheit wird weiterhin erforscht, um ein vollständigeres Verständnis ihrer potenziellen Vor- und Nachteile zu erlangen.

 

Wenn du Fragen zu dem Thema hast, freuen wir uns auf deine Kommentare und E-Mails an hello@fembites.com.

 

! Disclaimer: Wenn wir "Frau" schreiben, meinen wir alle Menschen, die einen Zyklus haben.

 

Quellen:

(1) The Advantages and Disadvantages of Phytoestrogens von Sutrisno, M.D., Ph.D, REI

(2)  The Potential Effects of Phytoestrogens: The Role in Neuroprotection von Justyna Gorzkiewicz, G. Bartosz, I. Sadowska-Bartosz

(3)  The physiological actions of isoflavone phytoestrogens von L. Pilsáková, Igor Rie, ansý, Fedor Jagla

(4)  Phytoestrogen “Genistein”: Its Extraction and Isolation from Soybean Seeds von Jyoti, S. S. Agrawal, S. Saxena, Archana Sharma

(5)  Genistein as Potential Therapeutic Candidate for Menopausal Symptoms and Other Related Diseases von Prakash Thangavel, Abraham Puga-Olguín, J. Rodríguez-Landa, R. C. Zepeda

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Haftungsausschluss

Dieser Blogpost dient nur zu Informationszwecken und ersetzt nicht die medizinische Beratung. Konsultiere immer eine Ärztin, wenn du gesundheitliche Bedenken hast.

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